Die Geschichtenerzählerin
Ein bunter Reigen aus
Kurzgeschichten, Märchen und Fabeln
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Die Geschichtenerzählerin entführt den Leser und Zuhörer in die Welt der Fantasie.
Mit 18 Kurzgeschichten, Märchen und Fabeln, die mit schwarz-weiß Zeichnungen illustriert sind, teils humorvoll, nachdenklich und voller Poesie, ist das Buch ein besonderes Lesevergnügen für jedes Alter.
ca. 92 Seiten, 7,95 EURO
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Leseprobe
Eminas Herz erfreute sich an den märchenhaften Vorträgen und spannenden Erzählungen. Besonders die Abenteuergeschichten hatten es ihr angetan. Sie konnte nicht genug davon bekommen. Sie schloss die Augen und ließ sich von der Stimme des Erzählenden über das weite Meer in ferne Länder tragen. Sie konnte den Duft der fremdartigen Gewürze riechen, wenn sie dort über die Märkte ging. Sie sah die Farbenpracht der Blumen auf den Wiesen und Feldern und hörte das Rauschen der Blätter in den Baumwipfeln der Wälder. Sie spürte die warmen Sonnenstrahlen und die kühle Frische der Regentropfen auf ihrer Haut. Sie lachte und weinte mit ihrem Helden und zitterte, wenn er gegen Drachen oder Ungeheuer kämpfte, um sich dann unbändig zu freuen, wenn er schließlich den Sieg errungen hatte. Dies alles erlebte das Mädchen in seiner Fantasie, als wäre es ein Teil des Märchens, das gerade erzählt wurde.
 
Der kleine Traum
Märchen
 
Es war einmal…
So fangen alle Märchen an. Auch dieses Märchen beginnt mit den Worten…
 
Es war einmal ein kleiner Traum mit Namen Träumesüß. Egal, wo sein oberster Chef, der Sandmann, ihn hinschickte, bemühte er sich sehr, den kleinen Mädchen und Buben einen wunderschönen Traum zu bescheren. Es war nicht immer einfach, den Richtigen für die unterschiedlichen kleinen Schläfer zu finden. Hinzu kam, dass die anderen Träume ihn oftmals auslachten und ihm seine Arbeit richtig mies machten.
 
„Du bist ja verrückt, dich so anzustrengen. Die Menschen nehmen uns sowieso nicht ernst. Oft genug habe ich gesehen, wie sie sich morgens die Augen rieben und sagten, ach es war ja nur ein Traum!“, erzählte eine schon seit vielen Jahren im Amt ergraute Traumfee.
„Ja, genau“, mischte sich stirnrunzelnd ein dicker Traum ein, wobei er heftig an seiner Pfeife zog, „ich wurde schon häufig als blöder Traum bezeichnet.“
Neidisch schaute er in die Runde seiner Kollegen und ärgerte sich wiederholt über seine Fettleibigkeit.
Gerade heute Morgen musste er sich vom Sandmann eine Strafpredigt anhören, weil er schon wieder zu spät gekommen war.
Erst in den frühen Morgenstunden hatte er es geschafft seinem Kandidaten einen Traum zu bringen, so dass dieser dann verschlafen hatte und zu spät in die Schule kam.
 
Ein alter, griesgrämig blickender Traum schniefte umständlich in sein Taschentuch.
„Ich weiß sowieso nicht, warum der Chef es zulässt, dass so ein Grünschnabel schon Träume verteilen darf. Außerdem wollen die Menschen nicht mehr träumen. Sie haben doch nur noch diesen neumodischen Kram, den sie Fernseher und Computer nennen im Sinn. Sogar die kleinen Kinder sitzen stundenlang davor und starren auf die viereckigen Kästen.“
 
 
Die Gerichtsverhandlung
Fabel
 
 
Auf einer Lichtung im Wald saß das Publikum dicht gedrängt in den Bänken. Plötzlich wurde es in den Zuschauerreihen mucksmäuschenstill und alle erhoben sich von ihren Plätzen.
Richterin Ambrosia Eule und ihre Beisitzer betraten das Waldgericht und nahmen am Richtertisch Platz. Heute sollte ein besonders scheußliches Verbrechen zur Verhandlung kommen.
 
Ambrosia blickte über ihren Brillenrand hinweg in die Runde der Anwesenden und erteilte Staatsanwalt Rufus Storch das Wort. Dieser räusperte sich, rückte sein Monokel zurecht und begann die Anklageschrift zu verlesen.
 
„Hohes Gericht, meine Damen und Herren. Wir sind heute hier zusammengekommen, um über ein außerordentlich schweres Verbrechen zu Gericht zu sitzen. Die Angeklagte hat sich des Einbruchs, in Tateinheit mit schwerem Diebstahl, schuldig gemacht. Sie ist in das Nest der Geschädigten, Frau Rosa Amsel, eingebrochen und hat drei ihrer fünf Eier gestohlen.“
 
„Frau Richterin, das stimmt so nicht!“
„Pst, ganz ruhig!“
Rechtsanwalt Wolfgang Specht versuchte seine Mandantin wieder auf ihren Platz neben sich zu ziehen. Dabei hatte er ihr eine Feder ausgerissen, was ihm sichtlich peinlich war.
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Schmetterlinge im Bauch
Kurzgeschichte
 
Theresa beugte sich über den offenen Koffer und ging in Gedanken noch einmal alles genau durch, was sie für den Urlaub einpacken musste. Beschwingt legte sie noch einige Handtücher zuoberst auf die ordentlich sortierten Sachen, die schon im Koffer waren.
 
Sie fühlte sich wie ein junges Mädchen, das zum ersten Mal, ganz alleine, ohne die Eltern in die weite Welt hinaus fuhr. Oder besser gesagt – in die weite Welt hinaus flog. Ihr Reiseziel war Mallorca.
Mein Gott, dachte sie, Meer, weißer Sand und Sonne pur. Endlich, seit 10 Jahren das erste Mal wieder Urlaub.
 
Theresa war 50 Jahre und seit 30 Jahren mit Robert verheiratet. Sie hatten, zugegeben zwei prachtvolle Kinder und mittlerweile 5 Enkelkinder. Ihre Ehe war mal mehr, mal weniger glücklich verlaufen. Ja, sie war einfach eingeschlafen. Robert und sie hatten nie wirklich Streit, aber sie lebten schon seit Jahren einfach so nebeneinander her.
Jeder hatte seinen Bereich im Haus und seine Aufgaben.
 
Während sie sich um die Hausarbeit und den Garten kümmerte und an drei Tagen in der Woche zwei ihrer Enkelkinder beaufsichtigte, stand Robert noch mitten im Geschäftsleben.
Manches Mal, wenn sie abgeschlagen von der eintönigen Hausarbeit abends noch ein wenig vor dem Fernseher saß und ihr dabei immer wieder die Augen zufielen, fragte sie sich, ob das wohl alles gewesen sei, was das Leben ihr zu bieten hatte?
Immer das gleiche Einerlei. Waschen, putzen, Hemden bügeln, Essen zubereiten, den Garten in Ordnung halten. Kinder und später dann auch noch die Enkelkinder. Sicher, sie liebte ihre Kinder über alles und auch ihre Enkelkinder waren ihr ganzer Stolz.
 
Aber irgendwie fehlte ihr etwas in ihrer Familie und erst recht in ihrer Beziehung zu Robert. Vielleicht war sie auch einfach nur überarbeitet. Umso mehr freute sie sich jetzt auf eine Woche Urlaub am Meer.
Sich endlich einmal an einen gedeckten Tisch setzen, ohne vorher das Essen bereitet zu haben. Keine Nörgelei, warum ausgerechnet das gestreifte Hemd noch nicht gebügelt sei und kein Kindergezanke, das sie schlichten musste. Nur Ruhe und Entspannung.
 
 
Der unscheinbare Nussknacker
Geschichte
 
Auf dem Weihnachtsmarkt, vor der dritten Bude auf der rechten Seite, war der Teufel los. Eine große Menschentraube stand dort, um die schönen Holzfiguren aus dem Erzgebirge zu bewundern. Die Kinder zupften den Erwachsenen am Mantelsaum oder machten sich lautstark bemerkbar, damit sie weiter nach vorne kamen und die Spielsachen, die dort ausgestellt waren, besser sehen konnten.
 
Liebevoll hatte der Budenbesitzer seine Ware, die während des Sommers in Kisten mit Holzwolle in seiner Garage lagerte, ausgepackt und präsentierte sie nun seinen großen und kleinen Kunden.
 
Ordentlich standen die unterschiedlichen Dinge in den rückwärtigen Regalen und vor ihm auf der Brüstung aufgereiht. Da gab es geschnitzte Weihnachtspyra-miden in den verschiedensten Größen. Einige bunt bemalt, andere waren natur belassen.
 
Die Räuchermännchen schmauchten aus ihren Pfeifen und verströmten einen angenehmen Duft. Die Figuren der heiligen Familie, mit Ochse, Esel und Schafen stellten, eingefügt in eine kunstvolle Landschaft, eine Augenweide für den Betrachter dar und die Nussknacker standen in Reih und Glied, wie bei einer glanzvollen Parade.
Unter ihnen befanden sich Husaren, Förster, Polizisten, Räuber, und sogar einige Könige.
In der hintersten Ecke versteckte sich ein kleiner Nachtwächter. Er schämte sich seines Aussehens, da er nicht so aufwendig gearbeitet war wie die anderen. Seine Statur war aus grobem Holz geschnitzt und die Bemalung stellenweise abgeblättert. Viele Jahre schon stand er in der Hütte auf dem Weihnachtsmarkt und träumte von einem weihnachtlich dekorierten Zuhause mit einem festlich geschmückten Baum und fröhlichem Kinderlachen. Aber keiner wollte ihn haben und so ergab er sich niedergeschlagen seinem Schicksal, wenn er zum Ende des Marktes wieder verpackt wurde. Oft hörte er wie die Kinder riefen:
„Mama, guck mal, der ist aber hässlich!“
Dann wurde er noch trauriger und manchmal kullerten ihm sogar ein paar Tränen über die Wangen.
 
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