Taschenbuch, 294 Seiten, € 11,95

Um die Hand seiner Geliebten, Lady Miranda Beaufort,  zu erlangen, muss der Ritter Aaron Bearhawk Besitzer einer Burg sein. Kurzerhand überfällt er Growmoor Castle. Die jungenhaft gekleidete Keila leistet jedoch erbittert Widerstand und lässt sich nur mit Gewalt zähmen. Wie sich zu Aarons Entsetzen herausstellt, ist Keila jedoch die verschollene Schwester von Miranda. Um ihre Ehre wieder herzustellen, muss Aaron Keila heiraten. Doch er schwört Rache. Von dem Augenblick an schwebt Keila in höchster Lebensgefahr. Noch kann sie einen Mordanschlag nach dem anderen vereiteln. Obwohl sie in Aaron den Täter sieht, verliebt sie sich in ihn. Und auch Aaron ist nicht immun gegen die weiblichen Reize seiner falschen Braut. Das tödliche Netz aus Intrigen und Verschwörungen zieht sich jedoch unweigerlich über Keila zusammen. Zwei Dienerinnen müssen sterben, bevor sich auch Keila in einer letzten Falle verfängt.

Anmerkung: Ich bedaure, das der gewählte Titel meines Romans schon von Heather Graham (ausgerechnet eine meiner Lieblingsautorinnen, von der ich fast alle Bücher habe) existiert. Außerdem gibt es einen Roman gleichen Titels von Barbara Cartland (die nun wirklich nicht zu meinen Lieblingsautorinnen gehört). Aber der Titel passt einfach zur Geschichte!!!

Leseprobe

Mit großen Sprüngen eilte Keila die Treppe hinunter. Sie trug ein langes Wollhemd. Darüber eine Schafsweste, die jede weibliche Form an ihr verdeckt hielt. Nur die schlanken, wohlgeformten Beine, die in hautengen Leinenstrumpfhosen steckten, hätten einem unwissenden Betrachter vielleicht einen Hinweis geben können, wer da wirklich unter der plumpen Männerkleidung verborgen war. Der kräftige dunkelrote Zopf, der schwer auf ihrem Rücken wippte, war darin jedoch über jeden Zweifel erhaben. Ebenso ihr voller sinnlicher Mund, die dunklen dichten Wimpern und der zierliche Kopf mit den ausgeprägten Wangenknochen.

Es war nicht gerade leicht für Keila, ihre aufblühende Weiblichkeit zu ignorieren und die Rolle eines Sohnes zu spielen. Ein Sohn, der ihrem Vater verwehrt geblieben war. So war statt dessen eben sie im Schwertkampf unterrichtet worden und hatte das Jagen erlernt. All die Pflichten und Aufgaben des zukünftigen Burgherren hatte Lord Weihting ihr eingetrichtert. Doch auch ihm wollte es nicht gelingen, die Zeit zu überlisten. Als vor ein paar Jahren ihre Hüfte eine rundlichere Form annahm, ihre zarten Brüste zu sprießen begannen und sie der Kraft der Ritter in den täglichen Kampfübungen nicht mehr gewachsen war, musste Weighting schweren Herzens akzeptieren, dass sie zur Frau heranwuchs. Seitdem achtete er darauf, dass sie ebenso oft in Röcken wie in Männerbekleidung zu sehen war. Zusätzlich zur immer noch erwünschten, aber erleichterten Männerarbeit wurde sie jetzt auch in das Handwerkskönnen der Frauen eingewiesen. Manchmal war sich Keila selbst nicht mehr sicher, ob sie eher zum männlichen oder weiblichen Geschlecht gehörte. Doch noch fand sie sich mit dem Zustand eines Zwitterwesens recht gut ab.

Sie mochte ihren Vater und versuchte ihm ein guter Sohn sowie eine gute Tochter zu sein. Auch wenn er in Wirklichkeit nicht ihr leiblicher Vater war. Ihr leiblicher Vater hieß Wulfgar Beaufort. Doch davon hatte John Weigtings keine Ahnung und sie würde sich hüten, ihm das zu verraten.

Vergnügt eilte sie den breiten Gang zur großen Halle entlang. Dabei schlugen der kleine, eisenbeschmiedete Holzbogen und der Köcher mit den Pfeilen, die an einem Lederriemen um Hals und Schulter hingen, klopfend gegen ihren Rücken. Heute hatte der Sohn mal wieder seinen Auftritt zur bevorstehenden Jagd. Eine Aufgabe, die ihr viel Vergnügen bereitete.

Mit einem Summen auf den Lippen durchquerte sie die Halle und begrüßte nebenbei die Dienerinnen mit leichtem Nicken, welche sich so früh morgens schon abmühten, die Spuren des allnächtlichen Zech-gelages zu beseitigen.

Als Keila aus der Vorhalle in den Hof trat, erblickte sie die schon fertig gesattelten Pferde. Ihr Vater schwang sich gerade in den Sattel seines braunen Jagdhengstes. Viele Männer der Gruppe taten es ihm gleich, während andere noch einmal die richtige Aufzäumung der Pferde kontrollierten oder andere Kleinigkeiten erledigten. Ein dünner, aber kühler Nebel lag über der Morgendämmerung. Die Sonne würde jeden Augenblick aufgehen und damit den Nebel sicher bald vertreiben.

„Guten Morgen, meine Liebe”, begrüßte ihr Vater sie. 

„Guten Morgen, Vater. Das wird bestimmt ein herrlicher Tag zum Jagen. Meinst du nicht auch?”

„Ja”, murmelte er. Sein Kopf war noch nicht allzu klar, aber der Wein hatte am Abend zuvor auch wieder viel zu köstlich gemundet. „Das denke ich auch. Wir werden unsere Kammern heute sicher gut mit Wildbrett füllen können. Aber Keila,” räusperte er sich dann, „ich hoffe doch nicht, dass du mit solchen Haaren zur Jagd willst.”

„Oh, ich habe meine Kappe vergessen”, antwortete Keila betroffen.

„Du weißt ja hoffentlich noch, was das letzte Mal passiert ist”, mahnte John Weihting.

Keila zog eine Grimasse. „Ja”, meinte sie kleinlaut.

Allein der Gedanke daran ließ ihr alle Knochen schmerzen. Im vollen Galopp hatte sich ihr freiliegender Zopf beim Durchbreschen tiefliegender Äste verhakt. Äußerst unsanft war sie dabei vom Pferd gezogen worden und mit einem harten Aufprall auf der Erde gelandet. Dank Gottes Hilfe und ihrem lang antrainiertem Reaktionsvermögen konnte sie den scharfen Hufen des nachfolgenden Reittieres gerade noch ausweichen.

„Ich bin gleich wieder zurück, nur einen Moment noch”, rief sie über die Schulter während sie mit hastigen Schritten zurückeilte. Unterwegs murmelte sie einige Flüche wegen ihres Haares und wegen der Ungeschicklichkeit einer Dienerin, mit der sie beinahe zusammen gestoßen wäre.

Am oberen Treppenende stand ihre alte Zofe und schwenkte die braune Kappe triumphierend in ihrer Hand. „Ich nehme an, Ihr sucht das hier, Mylady”, grinste die ältere, rundliche Frau sie an.

Keila schnaufte provokativ. „Halte mir jetzt bloß nicht wieder eine Predigt, Marie”, schnauzte sie genervt.

Ihr Vater hasste es zu warten. Sicher würde er ohne sie losreiten, wenn sie sich nicht beeilte. Sie streckte die Hand aus, um der Zofe die Kappe zu entreißen.

„Oh nein, junge Lady. Die muss ordentlich befestigt werden. Soviel Zeit muss sein.”

„Dann beeile dich aber bitte!”, raunte Keila und setzte sich seufzend auf die oberste Treppenstufe, damit Marie ihre Haare bearbeiten konnte. Geschickt schlang diese den Zopf nach oben, steckte ihn mit mehreren Haarnadeln fest und stülpte die enge Kappe darüber. Mit weiteren Haarnadeln fixierte sie die Kappe rutschfest. Bei flüchtiger Betrachtung wäre Keila jetzt durchaus als Junge durchgegangen.

„Hast du das gehört?”, stutzte Keila plötzlich.

„Was?”, meinte Marie, die gerade die letzte Nadel befestigte.

„Dieses Geschrei!” Keila´s Körper spannte sich an wie ein Bogen. Ein ungutes Gefühl machte sich in ihrem Bauch breit.

„Hört sich an, als würde Euer Vater doch schon ohne Euch losreiten”, antwortete die Zofe schnippisch.

„Nein, das ist es nicht.” Keila erhob sich von der Treppe und lauschte angespannt den Rufen und Geräuschen, die von außen hinein drangen. „Das klingt eher wie...”

Großer Gott, das konnte einfach nicht möglich sein, es durfte nicht  sein. Und doch vernahm sie das Klingen aufeinander krachender Schwerter. „...Alarm!”

Keila stürzte an der verständnislos dreinschauenden Frau vorbei auf ihr Zimmer zu. Sie riss die Tür auf und hechtete an das Fenster. Das Blut gefror ihr bei dem Anblick in den Adern. Vor ihr lag ein blutiger Schlachtplatz. Fremde Ritter schlugen ihre tödlichen Schwerter in die Menschen, die ihr seit Kindheit vertraut waren. Qualvoll wiehernde Pferde trampelten über niedergemetzelte Körper. Durch das weit geöffnete Burgtor drangen immer mehr Feinde ein. Ein aussichtsloser dramatischer Alptraum spielte sich da unten ab.

Keila handelte ohne nachzudenken. Sie zog einen Pfeil aus dem Köcher, spannte den Bogen und zielte. Der Pfeil schwirrte durch die Luft und bohrte sich in die Brust eines Fremden. Ein danebenstehender Ritter blickte hoch und setzte sich über den zusammengebrochenen Schwertbruder in Richtung Halle in Bewegung. Keila wusste, dass sie sein Ziel war. Sie trennte sich von Köcher und Bogen, sprang instinktiv zur Kleidertruhe, auf der ihr eigenes Schwert lag, zog es aus der Scheide und stürzte sich aus dem Raum.

Marie, die entsetzt begriff, dass ihr Schützling vorhatte, sich ins Kampfgetümmel zu stürzen, eilte ihr kreischend hinterher. Doch sie konnte die junge Frau nicht mehr einholen.

Am Fuße der Treppe traf Keila auf ihren ersten Gegner. Offensichtlich sah er in ihr keine ernstzunehmende Gefahr, denn er lächelte immer noch siegessicher, als sie bereits ihr blutiges Schwert vom tödlichen Stoß zurück zog. Der Ritter hinter ihm stürzte sich jedoch mit wütendem Gebrüll auf sie. Doch sie war, so wie sie es schon hunderte Male in ihren Kampfübungen ausgenutzt hatte, zu schnell für seinen schwerfälligen Hieb. Bevor er erneut ausholen konnte, bohrte Keilas Schwert sich zielsicher in  seinen Körper.

Immer mehr Männer folgten. Keila kämpfte mit der Verbissenheit einer Löwin. Wieder und wieder ließ sie ihr Schwert niedersausen. Sie verlor dabei jegliches Zeit- und Raumgefühl.

Später wusste sie nicht einmal mehr, wie sie wieder die Treppe nach oben in einen der kleinen Wohnräume gekommen war. Sie erinnerte sich nur daran, wie ein bulliger Koloss von einem Mann ihr dort das Schwert aus der Hand schlug. Es segelte quer durch den Raum und rückte damit außer Reichweite. Sie sah den Tod in seinen Augen als er sein Schwert zu einem letzten Schlag ausholte, mit weit aufgerissenem Mund aus dem ein fürchterlicher Kampfschrei kam.

Keila war noch nicht bereit zu sterben. In letzter Verzweiflung riss sie den Dolch ihrer Mutter, den sie um die Hüfte geschnallt bei sich trug, heraus und schleuderte  ihn mitten in das Gesicht des Angreifers. Doch sie war schon zu entkräftet, um der Wucht seines fallenden Körpers mit einem Seitwärtssprung zu entrinnen. Der Riese brach mit starren Augen über ihr zusammen und riss sie erbarmungslos mit sich. Die scharfkantige Ecke der eichenen Tischplatte, auf die ihr Hinterkopf beim Fall knallte, spürte sie nur noch für einen flüchtigen Augenblick bis die totale Dunkelheit sie einhüllte.

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